Antworten von Bürgermeister Dr. Stöhr auf unsere Fragen

Unsere am 11. Juli an den Bürgermeister versendeten Fragen wurden am 15. Juli beantwortet; den Antwortbrief haben wir nachfolgend abgedruckt. Die in dem Schreiben ausgesprochene Einladung zu einem Gedankenaustausch im Rathaus werden wir selbstverständlich annehmen und an dieser Stelle darüber berichten.

Bad Vilbeler Freibad

Sehr geehrter Herr Dr. Knisch,
sehr geehrte Damen und Herren der Initiative,

ganz persönlich kenne, nutze und mag ich unser Freibad von Kindesbeinen an. Daher kann ich mich gut mit Ihrer Initiative solidarisieren und bin gern bereit, Sie zu unterstützen.

Gemeinsam mit Herr Stadtrat Minkel, der an der Zukunftsfähigkeit unserer Bäder schon lange arbeitet und federführend das Bad Projekt voranbringt, informieren wir Sie gern über einige Fakten, damit Sie auch die Hintergründe und aktuelle Entwicklungen besser einordnen können: 

  1. Ein neues Freibad an neuem Standort wird wegen des Zeitverlustes durch den Unfalltod von Herrn Wund derzeit nicht geplant, weil die rasche Herstellung des im Gegensatz zum Freibad ganzjährig nutzbaren Hallenbades Vorrang erhalten musste. Bereits vor Ihrer Initiative sind daher im Rathaus die Vorbereitungen angelaufen, das bestehende Freibad zum Ausgleich zu ertüchtigen.
  2. Das bestehende Freibad soll nicht nur betriebsbereit gehalten werden. Es sind darüber hinaus Überlegungen angelaufen, das Freibad auf einen neuzeitlichen Stand zu bringen.
  3. Das Problem der Flächenkompensation ist vielschichtig. Beim Regionalverband wurde zu Zeiten einer Mehrheit von SPD und GRÜNEN eine sogenannte Kompensationsrichtlinie eingeführt. Sie hat zum Inhalt, dass für jedes neue Baugebiet vorhandene Baugebiete/Baurechte aufgegeben werden müssen. Als für das neue Schwimmbadareal in unmittelbarer Nähe zum Schulzentrum der Flächennutzungsplan geändert werden musste, mussten sechs Hektar Land kompensiert werden, was extrem schwierig war. Demzufolge musste im Hinblick auf das neue Freibad u.a. auch der alte Standort Freibad von einer Fläche „Grünfläche, Sportanlage, Freibad“ in eine Fläche „Grünfläche, Parkanlage“ umgewandelt werden.
    Eine solche Umwandlung heißt aber noch nicht, dass der Bestandschutz verloren geht. Ferner haben sich auch im Laufe der Zeit die Ansichten verändert. Durch einen Koalitionswechsel der SPD im Regionalverband in eine neue Koalition mit der CDU wurde auch die genannte Kompensationsrichtlinie etwas entschärft. Ebenfalls diskutiert die Region aktuell Forderungen aus dem Ministerium von Staatsminister Al Wazir, rund 300.000 Wohnungen in Südhessen zu bauen. Allen Beteiligten ist dabei klar, dass dies mit der genannten Kompensationsrichtlinie kaum umsetzbar sein wird.
    Insofern sind wir davon überzeugt, den alten Freibadstandort bzw. das bestehende Freibad trotz Kompensationsrichtlinie erhalten zu können.

Nun zu Ihren Fragen:

  1. Wie oben unter 1. und 2. dargestellt, laufen Sie bei uns weit offene Türen ein. Einbeziehen möchten wir gern auch eine weitere Nutzung für das Open-Air-Kino sowie für Vereine (z.B. die DLRG).
  2. Wenn wir das Freibad auf neuzeitlichen Stand bringen, bedeutet dies Lebensfähigkeit für mindestens eine Generation. Was danach kommt, weiß heute niemand zu sagen.
  3. Das oben ausgeführte Problem der Kompensation ist vor einigen Jahren im Zusammenhang mit der Erstellung des Bebauungsplanes und der Änderung des Flächennutzungsplanes öffentlich abgehandelt worden. Ferner fand hierzu im Rahmen der Offenlage auch eine Bürgerbeteiligung statt. Im Staatsanzeiger vom 12.08.2013 wurde dann auch die Änderung des Flächennutzungsplans u.a. mit Hinweis auf das Gebiet „Altes Freibad“ öffentlich bekannt gemacht. Daraus entstand ja auch seinerzeit die Vorstellung, dass das Freibad auf längere Sicht nicht mehr zu halten sei, so dass größere Investitionen nicht mehr opportun seien.
  4. Weil ein Freibad eine Spezialimmobilie ist, eignet es sich nicht für Schnellschüsse.
    Derzeit befinden wir uns in der Konzeptfindungsphase.
  • Vorbereitend ist ein Betongutachten zum Becken aus dem Jahre 1937 zu erstellen. Weiterhin ein statisches Gutachten.

    Darauf bauen alle weiteren Überlegungen auf.
  • Gesetzt den Fall, das Becken kann erhalten bleiben, wäre zu klären, ob mit Fliesen oder Metall das Becken auszukleiden wäre.
  • Es wäre zu klären, ob im ehemaligen Sprungbereich die Beckentiefe von 3,20 m auf die Normtiefe von 3,80 m gebracht werden kann, um einen 3-Meter-Turm zu ermöglichen.
  • Untersuchung der Wassertechnik.
  • Ergänzung um eine solare Wassererwärmung einschließlich Duschen und Toiletten.
  • Sanierung der Hochbauten.
  • Attraktive Bodenbeläge im Außenbereich.

5. Das SWIM-Programm, das am 29.5.2019 angekündigt worden ist, läuft auf 5 Jahre. Es ist beabsichtigt, dies Programm zu nutzen, sobald das Sanierungskonzept erarbeitet worden ist.

6. Zuerst werden die Gutachten eingeholt, hinsichtlich der Becken haben wir uns der fachlichen Unterstützung der Wund-Gruppe versichert, der Rest ist durch Stadt/Stadtwerke beherrschbar.

7. Die Arbeitsbelastung von Stadt und Stadtwerken ist derzeit unvorstellbar groß. Zusammen bewegen wir derzeit ein Investitionsvolumen von weit über 100 Millionen Euro, weit, weit mehr als in jeder vergleichbaren Stadt.

Innerhalb eines Jahres sind über 100 Ausschreibungen zu bewältigen. Wir müssen zuerst diesen hohen Arbeitsbestand abarbeiten. Dies wird zudem beeinträchtigt, weil technische Büros, Baufirmen und Handwerker gleichfalls extrem überlastet sind. Wie bereits geschildert, hat das Hallenbad Vorrang vor dem Freibad, zumal das Freibad nutzbar ist.

Abschließend versichern wir, dass uns an einem guten Miteinander mit Ihnen und wie bei jedem städtischen Projekt an einem guten Gelingen sehr gelegen ist. Gern nehmen wir Ihr Angebot zu einem Gedankenaustausch an und laden Sie dazu ins Rathaus ein, insoweit bitten wir um Mitteilung Ihrer telefonischen Erreichbarkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Thomas Stöhr                                                   Klaus Minkel

Bürgermeister                                                         Stadtrat

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